Interaktive Videos für den DaF-Unterricht


Auch diesmal geht es hier um eine H5P-Anwendung. Das Format „Interaktives Video“ habe ich im Rahmen eines Workshops zum Thema „Kreativ und schülerorientiert mit Kurzfilmen arbeiten“ am Goethe-Institut in Rotterdam präsentiert.

Der Workshop vermittelte nicht nur eine Übungstypologie für die drei Phasen der Arbeit mit Kurzfilmen, sondern zeigte auch, wie man mit einfachen Mitteln didaktisierte Arbeitsblätter erstellt. In diesem Zusammenhang zeigte ich eine Didaktisierung des Kurzfilms „Dufte“ mit dem H5P-Format „Interaktives Video“. Die Teilnehmer*innen hatten die Aufgabe, in der Anwendungsphase, geleitet durch ein Tutorial, ein eigenes interaktives Video zu erstellen.

Hier das präsentierte Video: https://h5p.org/node/590795

Der Film eignet sich ab dem Niveau A2, beinhaltet landeskundliche Informationen über die Zeit der deutschen Teilung und ist insbesondere durch seinen überraschenden Schluss als Gesprächsanlass, für Hypothesen und fiktives Erzählen, interessant. Da die Einleitung in die Situation des Filmes für Fremdsprachenlerner schwer verständlich sein könnte (Der Erzähler spricht mit sächsischem Akzent.), wurden in diesem Teil des Videos Verstehensfragen eingebaut. Da ich danach versucht habe, die gesamte Bandbreite der H5P-Frageformate zu präsentieren, um die Möglichkeiten der Anwendung „Interaktives Video“ sichtbar zu machen, kann das auch auf Kosten des didaktischen Inhalts gegangen sein.

Zum Beispiel können Texte, Bilder, Links eingefügt werden.Als Testaufgaben sind: Single Choice, wahr/falsch Frage, Multiple Choice,Wörter in Lücken einsetzen, Gesuchte Wörter markieren, Text in Lücken schieben möglich.

Die Präsentation fand im Plenum am Interaktiven Whiteboard statt.Natürlich sind auch andere Einsatzszenarien denkbar. Ich würde den interaktivenFilm in Gruppen bearbeiten lassen, allerding sollte man dabei beachten, dass genügendKopfhörer vorhanden sind. Denkbar wäre auch eine Bearbeitung zu Hause, um dannim Unterricht gemeinsam Aufgaben „Nach dem Sehen“ zu lösen.

Für den, der ebenfalls einen Kurzfilm interaktiv gestalten möchte, veröffentliche ich hier ein von mir erstelltes Tutorial:

Welche Einsatzszenarien könnte es mit dieser H5P-Anwendungim DaF/DaZ-Unterricht noch geben. Anfang des Jahres hatte ich versucht, einen „Erklärfilm“zu erstellen. Dieser präsentierte Wortschatz zum Thema „deutsches Frühstück“.Hier sind zum Beispiel Zusatzinformationen über Einblendung von Text, Bild oderweiterführende Links möglich. Natürlich auch die oben erwähnten Testformate.

Das Beispiel findet ihr hier: https://h5p.org/node/416356

Da H5P-Aufgaben browserbasiert und einfach zu erstellen sind, wäre es auch denkbar, Schüler solche Filme planen und produzieren zu lassen. Diese Filme können auch selbst gedreht sein und im Nachgang interaktiv gestaltet werden.

Ein Art Webquest bzw. Sprachenquest per Film zum Beispiel zu einem landeskundlichen Thema wäre denkbar. Da man weiterführende Links einbauen und dazu Testaufgaben erstellen kann, sind zum Beispiel Webrecherchen möglich, die auch in einem kurzen Text (erörternd) zusammengefasste werden könnten. Wenn ich die Zeit finde, werde ich dies hier konkret vorstellen.

Hier noch eine Ergänzung: Wortschatzkarten zum Film (gefunden auf Quizlet)

https://quizlet.com/129727074/flashcards

Im Fokus: H5P-Übungstypen im DaF/DaZ-Kontext



Nachtrag zur gestrigen Online-Fortbildung zu H5P im DaF/DaZ-Unterricht.


Ausgehend vom Lernziel sind bei der Aufgabenerstellung unterschiedliche Entscheidungen zu treffen.

  1. Ist zu deinem Lehrziel der passende Fragetyp ausgewählt?
  2. Ist es vielleicht sinnvoll, Fragetypen zu kombinieren? (Abwechslung)
  3. Sind deine Fragen für die Niveaustufe verständlich? Sind die Fragen klar und prägnant formuliert.
  4. Hast du realistische Antwortoptionen gewählt?
  5. Ist dein formuliertes/programmiertes Feedback hilfreich, verständlich (kurz und bündig, kein Englisch, Sprachniveau entsprechend, eventuell in der Muttersprache – A1)
  6. Gibt es zusätzliche Ressourcen zum Weiterlernen?

Die Auswahl des passenden Fragetyps und die sinnvolle Kombination unterschiedlicher Fragetypen setzt voraus, dass man sich über das Potential aber auch über mögliche Probleme, die auftreten können, im Klaren ist. Deshalb habe ich hier einige Übungstypen von H5P für den DaF/DaZ-Unterricht kurz beschrieben. Die aufgeführten Übungen sind meist geschlossene oder halboffene Übungstypen. (Bei einem späteren Beitrag werde ich auch offene Aufgabentypen präsentieren.) Nur der Übungstyp Freitextantwort bildet hier eine Ausnahme. Zur Orientierung habe ich noch einmal das Lernfeldermodell eingefügt, um für den ausgewogenen quantitativen Einsatz solcher Übungen (meist Automatisierung) zu sensibilisieren.

Nach dem Lernfeldermodell / Four Strands  (Nation/Newton 2009)

Multiple Choice und Multiple Response (Mehrere Antworten) / Ja/Nein-Fragen

Ziel: Die Lernenden sollen Informationen erkennen oder die richtigen Antworten aus einer Reihe von Optionen auswählen.

H5P-Formate:

Einsatzmöglichkeiten:

  • Lese- Hör- Hör/Seh- Verstehen
  • Wortschatz vermitteln/ üben / testen
  • Grammatik üben und testen
  • Tests / Bewertungen

Beispiel:

Problem: Lernende erraten oft die richtige Antwort, indem Sie die falschen Antworten eliminieren.

Tipps: Verwende möglichst plausible falsche Antworten oder nutze Multiple-Response-Fragen, da die Lernenden schwerer erraten können, wie viele der Auswahlmöglichkeiten korrekt sind.

Interaktive Lernbilder: Hotspot-Fragen oder Input durch Hotspots

Ziele:  Lernenden sollen einen bestimmten Bereich oder Punkt auf einem Bild finden/auswählen.

H5P-Formate:

Einsatzmöglichkeiten:

Wortschatz / Grammatik / Bewertungen / Bildbeschreibung / „Seh“- Verstehen / Interaktive Lernwelt (Ausgangspunkt für WebQuest, Recherche oder Stationenlernen)

Vorteil: H5P Bildanwendungen sind sehr leicht anpassbar und bieten eine gute Qualität. (Meiner Meinung nach besser als LearningApps)

Mögliche Alternativen: sind Thinklink (kann auch app-basiert verwendet werden, ist aber teilweise kostenpflichtig) und LearningApp (Die Qualität der Bilder wird sichtbar schlechter.) und Quizlet. Hier einige Beispiele: Interaktive Schaubilder mit LearningApp, Beispiel: Haus: https://learningapps.org/3362876  , mit Thinglink, Beispiel: Das Gemüseregal: https://www.thinglink.com/scene/1013512350826758147 … , mit Quizlet: Transportmittel https://quizlet.com/217988546/transportmittel-diagram/

H5P-Beispiel 1:  Wortschatz Input – Das interaktive Bild kann selbstständig solange gelesen werden, bis man einen Test bestehen kann

Tipps: Hotspot-Fragen und -Inputs können Schüler schnellund sinnvoll erstellen und damit üben.

  • Unbedingtden Artikel bei Nomen verwenden.
  • WerHördateien auf Hotspotbildern nutzen möchte, sollte Thinklink verwenden.  Ansonsten geht auch, wenn man die Hördateials Video aufnimmt.

Beispiel: Input zum Thema Mehrsprachigkeit, Europäische Sprachen – Hotspot mit Videos auf der Europa Karte Dieses Beispiel zeigt, dass mit dieser Anwendung projektorientierter Unterricht möglich ist: So geht es: 4 Schulen teilen sich einen H5P Zugang. Sie erstellen für ihr Land einen Hotspot mit einem Video. Sie nehmen dafür eine kleine Lektion als Video auf: “Wie begrüßt man sich bei uns!

Drag-and-Drop-Fragen

Ziel: Mit dieser Übungsform lassen sich Wortschatz,Grammatik, Landeskunde (Fakten) abfragen. Es sind geschlossene Übungen, diealso nur eine Lösung zulassen.

Problem: Wenn Lerner sich mit dieser Übungsform unterfordert fühlen, kann es schnell zu Demotivierung führen und der Lerneffekt liegt dann bei „0“.

H5P-Formate:

Mit H5P lassen sich 4 Untertypen erstellen

  • Typ 3“Reihenfolge”: Lernende sollen priorisieren, Elemente in die richtige (zeitliche oder körperliche) Reihenfolge zu bringen, Inhalte bewerten oder einstufen sollen.
  • Typ 5 “Platzierung”: Lernenden sollen Objekte an eine bestimmte Stelle platzieren. (ähnlich Kategorisierung,)

Lückentext-Fragen (H5P-Typ: Fill in the Blanks)

Ziele:

  • Wortschatzebene:
    Lernende sollen Informationen im Kontext abrufen. Begriffe müssen logisch /lexikalisch passen, damit das Verständnis des Textes funktioniert.
  • Grammatikebene:
    Zeitformen, Endungen, Artikel müssen korrekt verwendet werden.

Tipp
Der Fragetyp erfordert genau die gleiche Antwort. (gleiche Wortwahl, genaueSchreibweise, nur die eine grammatikalische Lösung) usw., aber einige Toolslassen auch Alternativen zu, was zum Beispiel auf der lexikalischen Ebenewichtig sein kann.

H5P-Format: Fill in the Blanks

Beispiel:

Wie wurde diese Aufgabe erstellt?
Das schreibt man: *die* DominikanischeRepublik, *die* Seychellen, *die* USA,

und mit #Tipp

Woher kommst du?

Ich kommen aus *dem:Achte auf den Artikel "der Iran" und aufdie Präposition "aus" + Dativ* Iran. Und du?

Beispiel 2: Rechtschreibung:
Oft wird auch die korrekte Schreibung überprüft.

Flashcards: Thema Familie, A1, lernen

Offene Fragen bzw. Freitexteingabe / „Freispracheingabe“

Ziele:

  • umfangreichere Antworten, wie zum Beispiel:
  • die Textproduktion (Briefe, E-Mails, WhatsApp usw.)
  • Verstehens-Fragen eines Textes
  • Rechercheaufgaben mit Inhaltsangaben
  • Textproduktion: Erörterung
  • Sammeln von Ideen, Assoziationen usw.

Diese Aufgabe ist so eingestellt, dass der Schwerpunkt “Perfekt”zurückgemeldet wird. Probieren Sie es aus.

Link zur Übung

Probleme:

  • Die Fragen können nicht (oder nur eingeschränkt) automatisch korrigiert werden.
  • Die Erstellung als H5P ist sehr aufwendig und nicht immer in der Korrektur eindeutig.
  • Obwohl dies ein “Freitext” ist, kann man durch die Korrektureinstellungen nur von einer halboffenen Übung sprechen.

Tipps:

Bestimme genau, was du von dieserAufgabe erwartest (Erwartungshorizont)

Formuliere wenn möglichReferenztexte

Gib Wortschatz vor (Wortschatzauf einer Liste, in einer Wortwolke usw.)

Eventuell bestimme die Zeitform(A1,  A2)

Eventuell weiße auf dieGrußformeln in einem formellen oder informellen Schreiben hin.

Freitextsprechen

  • Der Lerner erhält eine Aufgabe / Impuls.
  • Er spricht allein oder mit anderenzu diesem Thema.
  • Der Monolog oder das Gespräch wird aufgenommen.
  • Die Aufnahme kann erneut abgespielt oder downgeloadet werden.
  • Der Lehrende kann die Aufnahme im Plenum oder in einem persönlichen Beratungsgespräch analysieren und eventuell weitere Übungen geben.

Hier ein Beispiel: Tonaufnahme zum Thema “Gemüse”

Morgen werde ich hiernoch 3 weitere Übungsformen vorstellen

  • Schreibennach Hören – Das Diktat
  • MitDialogkarten üben
  • SpielerischeQuiz-Formen

Hilfreich ist es auch bei der Aufgabendurchführung den geplanten Prozess zu reflektieren. Hilfreich können dabei folgende Fragen sein:

  • Ist die digitale Übung sinnvoll in den Unterrichtskontext eingebettet? (Gelingt die “Verzahnung” auf das Lernziel – Aufgabe, die Sitz im Leben hat –  hin)
  • Wird mehrkanaliges Lernen (Hören, Sehen) angeboten, so dass wirklich meine unterschiedlichen Lerner davon profitieren? (ebenso Lerntypen, Lerngewohnheiten, Binnendifferenzierung –
  • Ist eine freie Auswahl / bzw. flexible Handhabung der Übungen seitens der Lerner möglich?)
  • Ist informelles Lernen möglich? Kann auch außerhalb des Unterrichts mit den Übungen barrierefrei gearbeitet werden? Motiviert die Aufgabe für eine solche Weiterarbeit bzw. zu einer Adaption der Aufgabe von Seiten des Lerners in einem anderen Kontext?

Links:


Tags – Eine Möglichkeit nach H5P Inhalten zu suchen


In einem früheren Artikel hier im Blog hatte ich bedauert, dass es mit H5P keine gezielte Suche nach weiteren interessanten Inhalten gäbe und somit ein erneutes Anpassen bestehender Übung nur schwer möglich sei.

Das muss ich etwasrelativieren. H5P ermöglicht die Vergabe von Tags (Kategorien) fürselbsterstellte Übungen. Über diese Tags ist es dann möglich, auch auf Produkteanderer User zuzugreifen.

Am unteren Ende der H5P-Übung/Aufgabe finden Sie die Tags

Leider gibt eskein System, dass diese Tags ordnet. Ich würde mir wünschen, dass es fürbestimmte Fächer bereits vorgefertigte Tags gibt, die eine schnelle undeinfache Kategorisierung ermöglichen. Auch scheint es mir, dass dieTag-Funktion kaum bekannt ist und daher kaum genutzt wird.

Für DaF/DaZ habeich für die von mir erstellten Übungen folgende Kategorien erstellt bzw. halteich als Tag für sinnvoll:

1. Zuordnung zumFach:DaF/DaZ“ – da alle Übungen im gleichen Kontext (DaFoder DaZ) genutzt werden können. Die Kategorien DaFund DaZwerden und wurden auch schon vergeben.Wenn man sich auf die Suche macht, muss man jedoch beide Tags getrenntansteuern.  Überhaupt fehlt mir einegesteuerte logische Kategorien-Suche, so dass ich mehrere Kategorien eingebe,um gezielt Ergebnisse zu erhalten. Zum Beispiel „DaF, DaZ, Grammatik, A2, Perfekt“.

2. Tags nachFertigkeiten oder Bereichen: Sprechen, Schreiben, Lesen, Hörverstehen, Grammatik, Landeskunde, Phonetik, Dialoge üben, Wortschatz, Recherche,Sprechanlass,Lyrik

3. Tags nachNiveaustufen: A1, A2, B1, B2

4. Tags nachAufgabenformen: Diktat, interactive video, Drag the Words,Freitexteingabe,Präsentation

5. GrammatischeSchwerpunkte: Präpositionen, Perfekt,Satztypen

6. Inhalt / Themen:(noch keine definiert) Beispiele: Fußball, Europa,Einkaufen, Präsentieren, im Büro usw.

7. Fortbildung: fortbildung

Euch istsicherlich die Kleinschreibung einiger Tags aufgefallen. Dies ist leider schon aufH5P so vorgegeben.

Hier noch einmal die wichtigsten DaF/DaZ-relevantenKategorien:

Für die Online-Fortbildung habe ich übrigens auch ein Tag erstellt unter dem alle während und nach der Veranstaltung entstandenen Produkte zusammengefasst werden sollen:

Wichtiger Hinweis:

Tragt bei jederErstellung einer Übung bitte Tags am Ende der Bearbeitungsseite ein.

Vor dem Speichern immer die Tags kontrollieren. Diese können aber auch später noch angepasst werden.

Eventuell nutztdie von mir vorgeschlagenen Tags, damit auch andere Nutzer eure Übungen findenund erneut anpassen können.

Trennt die einzelnen Tags durch Kommas.

Beispiel: DaF/DaZ, Grammatik, A2, Perfekt, Lückentext

Hinweis:

Ihr solltet vor dem Speichern unbedingt den Download-Button aktivieren, sonst kann eure Übung nicht weiterbearbeitet werden.

Es ist sinnvoll und fair alle Button zu aktivieren.

Links: