Würden Sie mit einem Tisch reden? – Erfahrungsberichte prominenter Fremdsprachenlerner


Natürlich würden die meisten Leser diese Frage verneinen. So absurd wie sie klingt, so aktuell ist sie immer noch für den Fremdsprachenunterricht. Angeregt durch die Lektüre von Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ (Carl Hanser Verlag, 2014) bin ich auf diese (Tisch-)Frage gestoßen. Im Roman gibt der Autor (sicherlich mit schriftstellerischer Freiheit) ein Erlebnis des jungen Winston Churchill wieder.

Winston Churchill C. Taken from „Life and Time of Winston Churchill“ Odhams Press Public Domain

Winston Churchill – Die Sache mit dem Tisch

Dieser sollte im Lateinunterricht die Deklination von „mensa – der Tisch“ auswendig lernen und sich Anwendungen [immerhin] ausdenken. Am Vokativ „O Tisch! scheiterte der junge Winston, worauf der Lehrer (in Köhlmeiers Buch der Direktor) ihm erklärte: „Du benützt den Vokativ in einem Gespräch mit dem Tisch. Wenn du mit dem Tisch sprichst oder ihn anrufst, zum Beispiel: o Tisch, bleib stehen! Dann musst du den Vokativ verwenden.“ (Aus: Michael Köhlmeier, Zwei Herren am Strand. Roman. Hanser, München 2014, S.38-40) Grundlage des Dialoges sind die Jugenderinnerungen Winston Churchills („My Early Life“). Die beschriebene Episode findet man auch in einem Spiegelartikel von 1959 im Netz. Zitat: „Du benutzt diese Form“, erläuterte der Lehrer, „wenn du zu einem Tisch redest.“ Churchill erwiderte „in ehrlicher Verblüffung“: „Das tue ich aber nie.“ Köhlmeier erweitert den Dialog um ein interessantes Detail, indem er den Direktor das Gespräch beenden lässt: „Du musst! In dieser Schule musst du!“
Nun kann man entgegnen, das sei alter Lateinunterricht – Grammatik-Übersetzungsmethode. Aber so weit ist das Beispiel von so mancher schulischen Realität nicht entfernt. Was kann man aus diesem Beispiel herauslesen?
Antworten könnte man mit folgenden Fragen finden:

  • Hat diese Aufgabe etwas mit der Lebenswelt der Lernenden zu tun bzw. ermöglicht sie zukünftige lebensweltliche Handlungen?
  • Zielt die Aufgabe auf die Lösung einer inhaltlichen Fragestellung mit sprachlichen Mitteln?
  • Ist die Aufgabe auf das Erreichen eines (kommunikativen) Zieles hin orientiert?

Bleibt die Frage: Was ist das für eine Schule, wo man mit einem Tisch sprechen soll/muss? Bestimmt keine die kompetenzorientiert unterrichtet und den Lerner in den Mittelpunkt stellt.

Was macht ein Vogel bei Regen in der Schmiede?

Weiter geht es mit den Erfahrungen eines berühmten Deutschlerners. Hier seine Erfahrungen zum Thema Deutsch-Lehrbuch:

„Zum Beispiel fragt mein Buch nach einem gewissen Vogel (es fragt immerzu nach Dingen, die für niemanden irgendwelche Bedeutung haben): „Wo ist der Vogel?“ Die Antwort auf diese Frage lautet – gemäß dem Buch –, dass der Vogel in der Schmiede wartet, wegen des Regens. Natürlich würde kein Vogel so etwas tun, aber ich muss mich an das Buch halten.“

Erkannt? Es ist der berühmte amerikanische Schriftsteller, der über das Erlernen der deutschen Sprach schrieb:

„Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann.“

Es ist Mark Twain in seinem Buch „Die schreckliche deutsche Sprache“(hier als PDF).

1907

Was leider zu selten erwähnt wird, ist die Tatsache, dass Twain seine Betrachtungen aus einer satirischen Perspektive heraus macht. Sehr gut nachzulesen hier: „Der erfolgsgewöhnte Schriftsteller zog seine Schlüsse aus seinen Erfahrungen mit der „schrecklichen deutschen Sprache“, indem er nach einer Testphase von neun Wochen entnervt aufgab – nicht ohne vorher ein paar kauzige „Reformvorschläge zu machen, die die deutsche Sprache handhabbarer machen und künftigen Generationen das Erlernen erleichtern sollten.“

(Quelle: http://www.goethe.de/ins/cn/lp/dll/ks/de6971981.htm)

 

Aber zurück zum Vogel, der in der Schmiede wartet. Besser kann man die Absurdität mancher Lehrbuch-Aufgaben nicht ausdrücken. Zum Glück werden sie immer seltener, aber sind sie wirklich schon in jedem Land verschwunden? Und so mancher Lehrer wird an dem Satz: „ …, aber ich muss mich an das Buch halten.“ bis heute nichts Ungewöhnliches finden. Die Folgen eines solchen Fremdsprachenunterrichts beschreibt sehr anschaulich Peter Bichsel:

„Ich bin ein Opfer – ein Opfer des Französischunterrichts.

„Ich bin ein Opfer – ein Opfer des Französischunterrichts. Nicht etwa nur, dass es der Schule nicht gelungen wäre, mir Untalentiertem diese Sprache beizubringen – dieser Schaden wäre erstens reparabel, und zweitens ist er mir in anderen Fächern auch passiert – aber die Schule hat mir in diesem Fach etwas viel Schlimmeres angetan: sie hat mir diese Sprache für immer verbaut. Ich wage nicht mehr, mir in dieser Sprache Fehler zu leisten. Ich würde es psychisch nur schwer überstehen, mich in dieser Sprache auch nur noch ein einziges Mal zu blamieren.“

(Auszug aus: Peter Bichsel, Erfahrungen beim Fremdsprachenlernen. In: Peter Bichsel, Schulmeistereien, © Suhrkamp Verlag Frankfurt 1998. Der Text stammt aus dem Jahr 1979. online Quelle-PDF S. 203-206)

Auch dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine guter, motivierender Unterricht ist, nicht für jeden einzelnen Fremdsprachenlerner, sondern vor allem für die Attraktivität ergo für die Werbung für Fremdsprachen und nicht zuletzt für das lebenslange Lernen. Bichsel spricht sogar von einer (persönlichen) Befreiung: „Die Fremdsprache – und das ist ihr Wert an und für sich – befreit mich oder gibt mir zum mindesten, und das ist schon viel, die Illusion von Befreiung: ein Stück Emanzipation.“ (Ebenda) Dieses Stück Emanzipation sollte durch den Fremdsprachenunterricht gefördert werden. Die Art von Grammatikvermittlung, die Bichsel folgendermaßen beschreibt, gehört sicher nicht dazu: „… Grammatik dient nicht mehr dazu, die Sprache zu erfassen, sondern die Sprache dient dazu, eine Grammatik zu erklären, die sich selbständig gemacht hat. Wer versucht, eine Sprache total – mit all ihnen Ausnahmen – zu vermitteln, vermittelt sehr schnell totalen Blödsinn.“ (Ebenda)
Und hier sieht er vor allem den Lehrer und die Unterrichtsmittel in der Verantwortung:

„Aber warum hat mir kein Lehrer und kein Lehrmittel gesagt, was wirklich erforderlich und was dagegen eher nur wünschenswert ist und was man sich schenken kann?“

(Ebenda)
Mit Bichsel möchte ich auch den Exkurs durch die Erfahrungsberichte prominenter Fremdsprachenlerner beenden:

„Man blamiert sich mit Fehlern viel weniger als mit geschraubter Grammatik!“

PS
Man könnte hier auch noch Schliemann nennen, der eine eigene Methode entwickelte und damit immerhin 20 bis 30 Fremdsprachen erlernt haben soll und natürlich viele viele andere.

Oder dann doch lieber die Loriot-Methode, die auf witziger Art und Weise zeigt, wie Fremdsprachenunterricht nicht aussehen sollte:

 

Gemeinsam lernen mit Wikis, Weblogs und Twitter


Ich habe mir die Aufzeichnung des  Vortrags „Gemeinsam lernen mit Wikis, Weblogs und Twitter“ von Christian Spannagel angesehen und nun auch die Folien dazu gefunden:

Christian gelingt es immer wieder über das Thema verständlich und anschaulich zu referieren. „Live“ habe ich ihn auf dem letzten ZUM-Wiki-Seminar im März kennen und schätzen gelernt.  Seinen Vortrag werde ich in der nächste Fortbildung zu Web.2.0 und DaF verwenden.

Interessant in diesem Zusammenhang auch der Post Web 2.0-Lehrer von René Scheppler (D21-Projektblog).  Er zitiert aus einem Interview ( Stuttgarter Zeitung ) zum Thema: Lehrer 2.0 hat sein Klassenziel verfehlt

Hier ein für mich sehr aktuelles Zitat:

Wie intensiv Lernplattformen und andere Medien eingesetzt werden, hängt stark von der Unterstützung der jeweiligen Schulleitung ab: “Es gibt zahlreiche Initiativen seitens der Länder, aber die Umsetzung des Medienentwicklungsplans wird von vielen Schulen oft nicht eingefordert”, bedauert Jakob-Kühn. Stattdessen herrsche noch das alte Einzelkämpfertum: “Wer bereit ist, sich für neue Medien und Lernformen zu engagieren, braucht vor allem die entsprechenden Netzwerke.”

Zu diesem Thema habe ich schon vor Monaten etwas geschrieben: Chancen von Web2.0-Tools im Fremdsprachenlernen

Internet-Mobbing setzt Jugendlichen zu


Was normalerweise auf dem Schulhof stattfindet, wird im Chat weitergeführt.

FR-Online zitiert aus einer interessanten Studie (leider nicht genauer benannt), die noch einmal unterstreicht, wie wichtig dieses Thema auch in der Schule ist. Jeder dritte Jugendliche berichtet, dass er im vergangenen Vierteljahr Opfer von Hänseleien und Angriffen im Netz geworden sei.

Die Psychologin sprach sich vor allem für bessere Aufklärung in Schulen aus. Neuen gesetzlichen Regelungen stehe sie kritisch gegenüber: „Wir werden Kinder und Jugendliche auch mit rechtlichen Maßnahmen nicht daran hindern können, das Internet für Mobbing- Attacken zu nutzen. Das funktioniert nicht.“

aus: Studie: Internet-Mobbing setzt Jugendlichen zu

Mit der gleichen Überschrift erschien am 31. Dezember 2008 ein Artikel in der Welt: Mobbing im Internet setzt vielen Schülern zu 😉

Erwähnenswert die australische Studie, die wohl die Erste war:

Australien startet eine Großoffensive gegen Internet-Mobbing. Da das Problem zunimmt und immer mehr Kinder und Jugendliche Opfer von beleidigenden SMS, E-Mails oder erniedrigenden Fotos im Internet werden, wurde nun seitens der westaustralischen Regierung eine umfassende Studie in Auftrag gegeben.

Donna Cross, Leiterin der australischen Studie, ist Cyber-Mobbing sogar ein schlimmeres Problem als „herkömmliche“ Mobbing-Attacken. Denn durch die Anonymität im Internet bleiben die Täter meist unerkannt. Diese Tatsache wiederum schürt Verfolgungsängste bei den Opfern, die beispielsweise nach Angriffen wieder in die Schule gehen müssen, ohne zu wissen, wer hinter den Mobbing-Aktionen steckt.aus: www.news.at (März 2008)

Das Thema eignet sich gut für eine Erörterung bzw. Diskussion nicht nur in DaF.

Aktualisierte Seiten für das Deutsche Sprachdiplom (DSD)


Die ZfA-Homepage wurde überarbeitet. Die Seite ist nun übersichtlicher und wurde mit vielen nützlichen Informationen ergänzt.  Neu ist zum Beispiel, dass die DASAN-Seiten mit integriert wurden. Für uns DSD-Lehrer ist es nun wieder möglich, aktuelle (offizielle) Informationen zur DSD-Prüfung abzurufen.

Der Bildungsserver bietet u.a. auch Seiten zum Deutschsprachigen Fachunterricht (DFU) und zu aktuellen Wettbewerben und Projekten.

Auch die Suche nach einem Job als Auslandslehrer ist nun für Bewerber einfacher.

Aber nun zurück zum DSD. Endlich wieder online sind Modellsätze der DSD-Prüfung. Daneben gibt es die bekannten Handreichungen.Diese Informationen sind auf dem neusten Stand und beschreiben die ab Herbst 2009 zu erwartenden Stufenprüfungen für die Kompetenzniveaus A2/B1 und B2/C1. Zitat aus dieser Seite:

Der Vorteil: Es wird ein Leistungsprofil des Schülers abgebildet, das sich ggf. über zwei Kompetenzstufen verteilt, was dem Fremdsprachenerwerbsprozess eher entspricht. Wer im Leserverstehen schon das Niveau B1 erreicht, aber in der Mündlichen Kommunikation noch auf dem Niveau A2 liegt, bekommt ein Diplom mit einer genauen Beschreibung der erreichten Kompetenzen. Das DSD weist die Niveaustufe in allen vier Fertigkeiten aus. Jedem Schüler wird so sein individuelles Sprachniveau bescheinigt.

 

Umfrage: Was die Deutschen über Lehrer denken


Interessante Fotostrecke auf Spiegel-Online:

Von Verständnis bis Vorurteil: Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte rund 1800 Deutsche zu ihrer Einschätzung von Schulen und Lehrern.

    Weitere Artikel:

    Woran erkennt man einen Deutschen?


    Der Post „Woran erkennt man einen Deutschen?“ im Blog Deut(sch)lich hat mich gleich an eine ähnliche Aufgabe mit meinen Schülern im Civi-Wiki erinnert. Hier eine Kostprobe – Die Aufgabe war: Wie stellt ihr euch den typischen deutschen Urlauber vor?

    Die Deutschen tauchen ganz oft am Balaton auf. Man findet einen Deutschen nie alleine, die laufen immer in Horden. Wenn man zum Beispiel am Abend spaziert und zuerst nur laute Gespräche hört und 2 Minuten lang nichts sieht, kann er sich sicher sein, dass er etwas mit einem Deutschen zu tun hat. Die sehen auch besonders gut aus. Die tragen Sandalen, dazu weiße Socken, hellbraune Shorts und haben den Oberkörper frei., stellen ihren schönen Bierbauch zur Schau. Im Allgemeinen sind sie rot oder haben Sonnenbrand. Ihre Haut ist so empfindlich, dass sie Sonnenhut tragen müssen, so kann man ihre wunderschönen blonden Haare und blauen Augen nicht ganz gut sehen. Bemerkenswert ist noch, dass sie immer etwas suchen und sind wie die Italiener, die glauben, dass alle ihre Sprache können. Also, wenn man sieht, dass die nur so rumstehen und ratlos schauen, soll man ganz schnell fliehen. Außerdem liegen sie fast den ganzen Tag am Strand und hören laut Musik. Mit dem Ball, den sie dabei haben, spielen sie so „geschickt“, dass man den ihnen immer zurückwerfen muss.

    Leg dich am Strand nie neben eine deutsche Horde.!

    So viel über die Deutschen am Balaton. Aber Vorsicht! die sind überall …

    Danach konnten die Schüler darüber schreiben, wie Ungarn im Ausland gesehen werden:

    Die meisten ungarischen Touristen kann man daran erkennen, dass sie mit großen Koffer im Urlaub erscheinen. Sie schaffen meist ein großes Gemeinschaftsgefühl und erzählen Witze. Deshalb haben sie gute Laune und sprechen sehr laut. Sie verbringen viel Zeit am Meer und sie können den ganzen Tag unter der Sonne liegen. Die meisten Frauen machen das, um schön braun zu sein. Beim Essen ist es charakteristisch, dass sie die Spezialitäten des gegebenen Landes essen. Aber, wenn man einen ungarischen Touristen sieht, ist es sicher, dass man oft Unzufriedenheit auf dem Gesicht sieht, aber sie essen trotzdem viel.

    • Die Gastfreundschaft wird von dem Zielgebiet erwartet.
    • Sie machen meist viele Fotos.
    • Sie mögen am Ufer faulenzen und dort schlafen.
    • Für sie ist auch das Sparen typisch.
    • Wenn die Ungarn eine Reise machen, dann denken sie, dass sie alles dürfen.
    • Früh am Morgen essen sie Wurst mit Senf. Für sie ist das Abend- und Mittagessen sehr wichtig.

    WikiMindMap zu Stereotyp

    Behinderte Schüler in Deutschland


    Wieder ein  Thema, das den Schulalltag in Deutschland betrifft und ein wichtiges soziales Problem anspricht: Wie gehen wir mit Behinderten in unserer Gesellschaft um. Von außen betrachtet, könnte man meinen, dass die Bundesrepublik im Umgang mit behinderten Personen eher eine Vorbildfunktion hätte. Jedenfalls sehe ich das so, wenn ich an die Situation denke, die ich in Belarus oder hier in Ungarn kennen lernte oder lerne. Der taz-Artikel Aussortiert und abgesondert-Behinderte Schüler in Deutschland zeichnet ein ganz anderes Bild:

    In Deutschland werden heute nur 15 Prozent der Schüler mit sogenanntem sonderpädagogischen Förderbedarf in die normalen Schulen integriert. 85 Prozent werden in Schulen gesteckt, in denen sie unter sich bleiben – so wie die achtjährige Conny. In den anderen Ländern der Europäischen Union ist das Verhältnis umgekehrt.

    Mehr als 400.000 Kinder und Jugendliche werden in Deutschland ausgesondert, das ist knapp jeder 20. Schüler. In Italien und Norwegen kommt noch nicht einmal jeder 200. Schüler auf eine Sonderschule. Und es sind nicht nur die Schwerstbehinderten, die Downsyndrom-Kinder, die Querschnittsgelähmten und Autisten oder Gehörlosen, die auf deutschen Sonderschulen landen, sondern auch die Hyperaktiven, die Rechenschwachen, die Aggressiven. Oder einfach nur die Armen und die Ausländerkinder.

    Moodle-Diskussion auf „Der Lehrerfreund“


    Im Post Über die Zukunft heutiger Lernplattformen hatte ich ich mich mit der Frage beschäftigt, wie sinnvoll der Einsatz von Moodle im schulischen DaF-Unterricht ist. Was ich damals (leider) noch nicht kannte, war die laufende Diskussion auf „Der Lehrerfreund“. Dort geht es um den Einsatz von Moodle an deutschen Schulen. Verfolgt man die Äußerungen, bekommt man  einen guten Einblick in die Problematik E-Learning und Schule. Ich zitiere hier einen Teil des Einführungstextes. In der Diskussion findet man sowohl Argumente gegen, aber auch für Moodle.

    Moodle ist “Open Source”, d.h. kostenlos erhältlich und frei modifizierbar. In der Praxis wird Moodle meist an die Schulhomepage gehängt und z.B. zur passwortgeschützten Verbreitung des Vertretungsplans genutzt. Die wirklich interessanten Funktionen werden in der Praxis jedoch kaum genutzt – auch wenn ein gewaltiger, von der öffentlichen Hand inszenierter Medienhype das suggeriert. Minister und ihre Untergebenen ergehen sich in Wortorgien: “E-Learning”, “Projektarbeit”, “lebenslanges Lernen”, “Eigenverantwortlichkeit” und “Medienkompetenz” diktiert man den Journalist/inn/en strahlend in die Feder. Wie immer verwendet man mehr Energie darauf, neue Technologien zu pushen und die Öffentlichkeit mit Schlagworten einzulullen, als sinnvolle Konzepte zu entwickeln. Deshalb “haben” inzwischen viele Schulen Moodle, es gibt einen Moodle-Beauftragten und es gibt Fortbildungen – aber wie viele Lehrer/innen kennen Sie, die Moodle regelmäßig für unterrichtliche Belange nutzen? In Moodle-Fortbildungen steht ein Idealist vor den Powerpoint-Folien und erklärt, wie man einen virtuellen Kurs einrichtet, obwohl keiner der Anwesenden versteht, wozu man das überhaupt braucht. Wer den Kurs einzusetzen versucht, scheitert daran, dass das Internet wieder mal nicht geht (entweder in der Schule oder bei den SchülerInnen zu Hause).

    Über die Zukunft heutiger Lernplattformen


    Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Was wird, was muss sich ändern? Welche Rolle werden die neuen Medien spielen?

    Eine Voraussage, wie Computer, Internet und Schulen in 20 Jahren aussehen könnten,  wagt Werner Hartmann. Seine 10 Thesen findet man, kurz zusammengefasst, im Blog netzlernen.ch.

    Interessant fand ich folgende dritte These:

    In zehn Jahren spricht niemand mehr von den heutigen Lernplattformen.
    Zitat: «Heutige Lernplattformen bilden gängige Schulstrukturen ab (…) Investitionen in starre, oft proprietäre und zentralistisch ausgerichtete Lernplattformen sollten deshalb heute kritisch hinterfragt werden.»

    Dem kann ich nur zustimmen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob in 20 Jahren dieses Problem gelöst sein wird.

    Meiner Meinung nach spiegeln die heutigen Lernplattformen wirklich die Realität an unseren Schulen wider.  Eine Veränderung wäre also nur möglich, wenn sich eine grundlegende Neuorientierung in unserem (europäischen) Schulsystem vollzöge. Wer in diesem System arbeitet, dürfte dabei seine Zweifel haben.

    Die aktuelle Tendenz sieht die „abgeschirmten“ Lernplattformen als Sieger. Hier kann die Lehrkraft wie in seinem geschlossenen Klassenraum schalten und walten und muss keine störenden Beobachter fürchten.  Kein Lehrer lässt sich ja bekanntlich gern in die Karten sehen. Keiner möchte „die Kontrolle verlieren“. Unterstützt wird diese Tendenz von der übervorsichtigen Schulbürokratie, die, unter dem Vorwand Schüler vor den Gefahren des Internets schützen zu müssen, abgeschlossenen Plattformen den Vorzug gibt. Und natürlich wäre da auch das aktuelle Urheberrecht zu nennen, das offene Lernformen im Internet eher erschwert.

    Im DaF-Bereich scheint sich immer mehr Moodle durchzusetzen. Das Goethe-Institut, das die nötigen materiellen Ressourcen besitzt, bietet hierzu eine kompetente Weiterbildung an und hat dabei sicherlich ihr eigenes Klientel im Auge – das der Studenten bzw. Arbeitnehmer, die ja einen Großteil der GI-Deutschkursteilnehmer stellen.  Hier macht Blended Learning sicherlich Sinn und kann auch kommerziell genutzt werden. Ob eine wirkliche Verbesserung der Sprachkompetenz nachweisbar sein wird, werden zukünftige Studien zeigen müssen.

    Und die Schule? Die Schule hat auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen, der im DaF-Bereich neben der selbstverständlichen Sprachkompetenz, die kulturelle, soziale, auch die Medienkompetenz (natürlich noch einiges mehr) beinhaltet.

    Ist Moodle wirklich die richtige Antwort auf die sich ständig verändernde Medienwelt? Kann man Medienkompetenz in einem geschützten Raum erwerben?

    Betrachtet man einige Lernplattformen  in DaF, dann fällt auf, dass ein Großteil der Aufgaben nach altem Muster funktionieren: LV oder HV als Multiple Choice,  „Beantworte die Fragen“, „Schreib deine Meinung“, „Ordne zu!“ – Manchmal fühlt man sich in Zeiten der audio-visuellen Methode zurückversetzt – natürlich mit anderen Mitteln. Daneben gibt es auch die eine oder andere Schreibaufgabe, wo sich Lerner aus unterschiedlichen Perspektiven zu bestimmten Themen äußern können. Die Aussagen bleiben aber meist unkommentiert. Die Auseinandersetzung mit den Gründen der unterschiedlichen Ansichten kommt nicht zustande, eine Reflexion des eigenen Standpunktes im Spiegel der anderen Meinung fehlt.  Vielleicht beginnt gerade hier das Spannende am Internet, der wirkliche Mehrwert.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass man das Potential des Internets nur dadurch nutzen kann, wenn man die Lerner aktiv an dessen Gestaltung beteiligt. Interkulturelle Projekte auf offenen (Lern)-Plattformen werden nicht nur die Lerner in ihrer Sprachkompetenz stärken, sondern sie auch befähigen, als kompetente und verantwortungsbewusste Persönlichkeiten die Zukunft zu meistern.

    Siehe auch:

    Moodle bietet mittlerweile sogar die Möglichkeit, dass oft kritisierte System Schule mit allen als verkrustetet empfundenen Lernstrukturen virtuell 1:1 nachzubauen.

    Gedopte Gesellschaft


    Wilde Kinder werden ruhig gestellt, ruhige Kinder aufgeputscht. Schüler und Studenten nehmen Medikamente, um Prüfungen zu bestehen. Gezieltes Doping ist nicht nur ein Problem im Leistungssport.‎

    Dieses Thema der DW hat mich sehr nachdenklich gemacht – als Vater, aber auch als Lehrer.  Alle wollen nur das Beste für die Kinder. Wirklich?

    Immer häufiger geben Eltern ihren Kindern „Lern“-Pillen, damit sie in der Schule bessere Leistungen zeigen. Abends vor der Prüfung ein Schlafmittel, am Morgen dann ein Aufputschmittel – und schon klappt es mit der Klassenarbeit. Schüler lernen Medikamente als Doping kennen und schätzen.

    Ein wirklich gutes Thema für den Unterricht!

    Audio: Top-Thema vom Freitag, 9. Januar 2009 (MP3) ‎

    Download: Text und Übungen zum Ausdrucken (PDF)

    Darf man YouTube-Videos im Unterricht zeigen?


    Antwort!

    Jein!

    Medien aus dem Internet, wie zum Beispiel Filme von YouTube, sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur im Rahmen der jeweiligen Nutzungslizenz verwendet werden. Da die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von YouTube nur das Abspielen per Lifestream erlauben, dürfen die Clips nicht gespeichert werden.

    Aus: Lehrer online: Fall des Monats (12.08)

    Das unterstützt unsere Vorgehensweise, diese Videos in Blogs und Wikis einzubinden und live im Unterricht abzuspielen.

    Siehe dazu:

    Ein Problem besteht, wenn der Film wieder einmal aus dem Netz genommen wurde. Vor Wochen hatte ich im Post Ausführliche Beschreibung des Firefox-Add-on Video DownloadHelper ein Programm beschrieben, das zwar sehr praktisch ist, aber bei einem Abspielverbot von gespeicherten YouTube-Videos im Unterricht sinnlos erscheint. Nun weiß ich aber, dass das Urheberrecht in jedem Land anders gehandhabt wird …

    Weitere interessante Details finden sich im Fall des Monats Dezember 2008 „Einsatz von Medien im Unterricht“, der auch als PDF-Datei heruntergeladen werden kann: Dateigröße: 60 KB: Fall-des-Monats Dezember-2008.pdf

    Unter anderem folgendes Zitat, das mich fragen lässt, wer diese „Feinheiten“ in den Schulen kontrollieren soll.

    Zur Unterrichtung von aktuellen Tagesfragen ist es zudem erlaubt, Funk- und Fernsehsendungen aufzuzeichnen und soweit ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang vorliegt, im Klassenverband vorzuführen. Öffentliche Reden dürfen aufgezeichnet und im Unterricht eingesetzt werden, soweit sie keine Sammlung von Reden des gleichen Autors darstellen. Auch Kurz-Zitate können verwendet werden. Außerdem ist es grundsätzlich zulässig, Schulfunksendungen bis zum Ende des auf die Ausstrahlung folgenden Schuljahres auf Bild- und Tonträger zu übertragen und im Unterricht einzusetzen. Medien aus dem Internet dürfen nur in den Grenzen der jeweils eingeräumten Nutzungsrechte verwendet werden.

    Themenschwerpunkt Schule auf dradio.de-Kultur


    Heute Morgen beim Frühstück bin ich auf einen interessanten Hörbeitrag auf dradio.de-kultur aufmerksam geworden, der sich mit dem Thema „Berufsschule“ beschäftigte. Im Internet stieß ich dann auf ein umfassendes Angebot von Texten und Hörbeiträgen (MP3).

    Folgende Themen werden im Themenschwerpunkt dieser Woche behandelt:

    Jeden Tag wird es uns um ein spezielles Thema gehen: Frühkindliche Bildung, Grundschule, Haupt-, Real- und Gesamtschule, Gymnasium, berufliche Bildung.

    Das Thema der heutigen Sendung „Berufsschule“ eignet sich auch als HV-Übung für das DSD-C1. Themen zur Schule sind in den DSD-Prüfungen (als LV oder HV) sehr beliebt. Die Texte und Hörbeiträge werden auf der Seite des Senders veröffentlicht. Man sollte diese aber sichern, denn die Verlinkungen im Internet sind nur temporär. Es gibt dort genügend Material für die nächste DSD-Weiterbildung. 🙂

    Einige Beispiele:

    Ortszeit, 5.40 Uhr
    Berufliche Bildung in Deutschland und in Frankreich – ein Vergleich
    Von Jaqueline Boysen (Text / MP3-Audio)

    Länderreport am Morgen, 6.15 Uhr
    Berufsbildungszentren im Saarland
    Von Tonia Koch (MP3-Audio)

    Reportage: Ohne Schule zum Abi – Freiburger Schüler, die sich allein auf die Abiturprüfung vorbereiten, sind derzeit im Prüfungsstress
    Von Joscha Hoffmann (MP3-Audio)

    In Deutschland gängige Schulanfangszeiten rauben zwei Stunden Nachtschlaf


    Wann sollte Schule losgehen? Bei der Beschäftigung mit dem Thema „Zeit“ ist oft die Rede vom „Optimalen Tagesablauf“ (Tangram Z). Die Lehrer und Schüler sind sich oft einig: Die Schule beginnt zu früh! (zur Umfrage Spiesser.de)

    Die derzeit in Deutschland gängigen Schulanfangszeiten rauben zwei Stunden Nachtschlaf, schätzen Experten. Das liegt vor allem am Biorhythmus. Jugendliche sind gegen Abend wach wie nie, können vor Mitternacht kaum einschlafen, sollen aber im Extremfall fünf Stunden später schon wieder raus. Das hindert am Lernen

    Zitat: SPIEGEL ONLINE

    Das Thema eignet sich ausgezeichnet für eine Erörterung. Auch wenn Goethe und Kant Frühaufsteher waren,  sprechen neue Forschungsergebnisse gegen das Frühaufstehen:

    Den direkten Bezug zwischen Aufstehzeit und Lernerfolg konnten Forscher von der Northwestern University in Evanston bei Chicago herstellen: Schüler der High School von Evanston mussten Computer-Vitalitätstests machen und Tagebuch über ihre Leistungsfähigkeit führen. Das Ergebnis: Morgens wird’s nichts.

    NEUES SCHULFACH „GLÜCK“


    „Als erste in Deutschland unterrichtet eine Heidelberger Schule das Fach „Glück“. Es kann sogar für das Abitur zählen.“ Spiegel ONLINE
    Warum auch nicht? Es gibt Schlimmeres, was man in der Schule lernen muss. Jedenfalls lässt sich darüber trefflich streiten, was wir für den DaF-Unterricht nutzen sollten.  Ergänzen könnte man den „Spiegel“-Text mit einem Hörbeitrag auf DeutschlandRadioKultur , der noch abrufbar ist: (jetzt nicht mehr online)

    • „Bildung nicht auf Schulbildung reduzieren“ – Heidelberger Schule lehrt „Glück“
      MP3, FlashSendezeit: 14.09.2007, 16:09
    •  

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2007/09/14/drk_20070914_1609_125a3cac.mp3