Wikinar: Wordle & Co – Unterrichtsideen für den Fremdsprachenunterricht


„Was ist ein Wikinar?“

wird sich der eine oder andere fragen. Für mich passt der Begriff sehr gut zu Präsenz- und Onlineveranstaltungen, bei denen das Wiki als „digitales Arbeitsblatt“, das heißt als E-Collaboration Tool zum Beispiel für Gruppenarbeiten und natürlich als digitale Ablage, fungiert. Wiki-Seiten können dabei als Präsentationsmedium, als Kollaborations-Tool, als Linkliste (z.B. als Ersatz für https://todaysmeet.com) und als Ablage für die Ergebnissicherung und für die nachhaltige Bearbeitung dienen. Der Vorteil ist, dass sich alles übersichtlich auf einer Seite befindet, da verschiedene externe Anwendungen im Wiki eingebettet werden können.

Im DaF-Wiki gab es im letzten Jahr einige Seminare mit Wiki-Unterstützung. In den kommenden Monaten sollen darum Module entstehen, die jeder frei im DaF-Wiki (oder in einem anderen Media-Wiki) weiterverwenden kann. Dabei soll es für jedes Modul eine „Mastervorlage“ geben, die von jedem (Be-)Nutzer in eine neue Seite kopiert und angepasst werden kann. Die absolvierten Seminare stehen den Seminarteilnehmern und den Fortbildnern zur Verfügung, können natürlich auch wieder gelöscht werden.

„Wordle & Co Unterrichtsideen für den Fremdsprachenunterricht“

Heute möchte ich dazu ein Beispiel vorstellen. Der Workshop „Wordle & Co Unterrichtsideen für den Fremdsprachenunterricht“ fand im letzten Jahr in Zagreb für Lehrer aus Grund- und Mittelschulen, sowie Lehramtsstudenten statt. Leider war die damalige Workshopzeit auf 90 Minuten beschränkt. Die doppelte Zeit wäre notwendig gewesen, um alle Phasen einer guten Fortbildung ausreichend zu berücksichtigen.
Wichtig ist im Voraus noch zu erwähnen, dass nicht die Tools im Mittelpunkt stehen sollten, sondern das Thema Wortschatzarbeit. Die Tools wurden so ausgewählt, so dass folgende Schritte beabeitet werden konnten:

Grundlage für diese Planung ist die Idee, dass es einen Zusammenhang von Wortschatz und Internet gibt:

Oft nutzt man den Vergleich des Wortschatzes mit einem Netzwerk, welcher den Zusammenhang der Wörter bildlich bewusst machen soll. Betrachten wir das Wort „Internet“, werden wir wieder auf den Begriff „Netzwerk“ stoßen. In dieser strukturellen Gemeinsamkeit liegt der Mehrwert von Web2.0 Tools, wie zum Beispiel Wiki. Hier kann Wortschatz präsentiert, vernetzt und in seinen kulturellen Bedeutungsunterschieden angewandt und dargestellt werden.

Wie schon oben beschrieben, wurde der Workshop mithilfe einer Wiki-Seite gestaltet:

  • Den bereits im März durchgeführten Workshop findet man mit Ergebnissen hier: Wordle & Co
  • Den „Masterkurs“ kann man hier einsehen, in eine neue Seite kopieren und anpassen: Wordle & Co – Masterkurs

Da der Workshop auf 90 Minuten begrenzt war, konnte man das Thema nur oberflächlich anreißen. Besonders in den Phasen der Anwendung und des zusätzlichen Inputs konnten daher nicht alle Aufgaben gelöst werden. Auch hier ist das Wiki als digitales Arbeitsblatt hilfreich, da diese ungelösten Aufgaben zur persönlichen Nacharbeit daheim zur Verfügung stehen.

Der Ablauf des Workshops sah/sieht folgendermaßen aus:

1. Einführung, Vorstellung und Impuls

2. ZO / Plan

3. E – Erfahrungen zum Thema Wortschatz sammeln, Tool: ZUMPad – Auswertung: Plenum

4. Wortschatz Sammeln – Ordnen – Präsentieren

a. Wortschatz sammeln: Tool- ZUMPad
b. Wortschatz ordnen: Tool-Mindmap auf LearningApp
c. Wortschatz anwenden: Textproduktion

5. Textproduktion mit Wortwolken: Tool-Wordle und Reflexion

a. Einführung in Wordle – Simulation, kurze Texte verfassen
b. Ideen für den Unterricht sammeln: ZUMPad
c. Erstellung von Wortwolken: Tool-Wordle, Pinnwand von LearningApps

6. Rückblick-Evaluation: ZUMPad

7. „Hausaufgabe“ (Anwendung/Transfer): Erstellung einer Unterrichtsidee und eines Arbeitsblattes mit Wordle.

8. Ausblick

Da keine Zeit für Anwendungsaufgabe (Hier nur „Hausaufgabe“) für den eigenen Unterricht war, habe ich dies nachträglich in den Masterkurs eingefügt.

Zu den eingebetteten Tools:

Das verwendet ZUMPad, aber auch alle Tools von LearningApps lassen sich problemlos in die Wiki-Seite einbetten.
Beim ZUMPad ist zu beachten, dass jeweils im Einbettungscode die Bezeichnung oder die Nummerierung geändert werden sollte.
Beispiel:

  name=’embed_readwrite‘ src=‘http://zumpad.zum.de/p/Zagreb2?showControls=true&showChat=true&showLineNumbers=true&useMonospaceFont=false‘ width=900 height=600>

…/Zagreb2  wird  zu Berlin1 usw. Wichtig ist, dass jeweils neue Pads generiert werden, damit man nicht in die bereits vorhandenen schreiben muss.

Bei LearningApps Anwendungen sollte man erst die Anwendung erstellen und dann den Einbettungscode in die Wiki-Seite kopieren und speichern.
Für das Mindmap von LearningApps habe ich das hier beschrieben: http://wikis.zum.de/daf/Mindmap_mit_LearningApps_erstellen
Für alle anderen Anwendungen hier: LearningApps erklärt im DaF-Wiki

Natürlich stehe ich bei Fragen jederzeit zur Verfügung. Ihr könnt diese hier als Kommentar posten.

Wichtig ist selbstverständlich auch die Evaluation eines Workshops. Diese kann auch im eingebetteten ZUMPad erfolgen. Im beschriebenen Workshop sah das so aus: Im Wiki bzw. http://zumpad.zum.de/p/Zagreb6

Abschließend die Kursbeschreibung des Workshops vom März 2015:

Web 2.0 – Anwendungen im Fremdsprachenunterricht sind beim Großteil der Lehrergemeinde noch nicht angekommen, obwohl das „Mitmach-Web“ viel zu bieten hat. Gezielt eingesetzt, kann es nicht nur produktive Fertigkeiten (Sprechen, Schreiben) im Unterricht unterstützen, sondern leistet einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Medienkompetenz bei Schülern. Auch in Hinblick auf die Befähigung der Lerner eine Sprache selbstständig weiterzulernen (Lernerautonomie), sind solche Web2.0-Anwendungen mehr als nur hilfreich. Sie bieten Werkzeuge für ein lebenslanges Lernen, mit denen die Lerner eigene Lernprozesse selbst weiterentwickeln und steuern können. Im Workshop erkunden die Teilnehmer anhand von Beispielen, wie verschiedene Onlinedienste im Fremdsprachenunterricht zweckmäßig und verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Dabei werden für ausgewählte Tools Unterrichtsszenarien entwickelt, umgesetzt und reflektiert.
E-Learning wird in diesem Workshop nicht als Ersatz für das Face-to-face-Lernen gesehen, sondern soll neue Kanäle öffnen, die die selbstorganisierte Auseinandersetzung mit Lerninhalte unterstützen und einen wichtigen Beitrag für das lebenslange Lernen leisten.

Wie schon beschrieben, kann der Workshop als gesamte Wiki-Seite kopiert und angepasst werden. Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons: Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten.

Ich würde mich freuen, von euren Erfahrungen mit diesem Modul zu hören.

Ralf Klötzke

 

 

 

 

 

DaZ/DaF-Thema: Migration und Integration


Wenn man heute nach einem aktuellen Landeskunde-Thema sucht, kommt man am Themenkomplex Migration und Integration nicht vorbei. In Österreich und Deutschland bestimmen Fragen zur Flüchtlingspolitik die öffentliche Diskussion und die aktuelle Migrationsentwicklung wirkt sich bis in die „kleinsten Winkel“ beider Länder aus. Es ist abzusehen, dass dies in den kommenden Jahren ein bestimmendes Thema bleiben und die Gesellschaft und das Zusammenleben nachhaltig verändern wird.
DaZ-Lerner haben als Teil des Themas Migration und Integration ein besonderes Interesse an den damit verbundenen Fragen und Aufgaben. Für sie sind nicht nur die „Fakten“ von besonderer Relevanz, sondern auch die interkulturelle Lebenswirklichkeit ist für Migrantinnen und Migranten „überlebenswichtig“.
Im DaF-Unterricht dürfte das Thema aus einem gewissen lebenswirklichen bzw. geografischen Abstand betrachtet werden. Die Thematik ist Fremdsprachenlerner durchaus vertraut, je nach Kursform (Schule oder Sprachkurs) kann es sogar sein, dass die Migrationserfahrungen unmittelbar bevorstehen. Der Themenkomplex motiviert zur Reflexion und zum Vergleich und ist daher für die Anbahnung interkulturellen Lernens sehr gut geeignet. Daneben regen die aktuellen Entwicklungen in Österreich und Deutschland dazu an, mehr über Gründe, Wirkungen und Reaktionen zu erfahren (Internetrecherche, Fernsehen, Presse, Soziale Medien usw.) zu wollen. Die Thematik fordert zur Meinungsäußerung heraus, so können Lerner diskutieren, kommentieren und auch erörternde Texte verfassen.
Wo gibt es aktuelle Materialien? Lehrwerke können meist nicht mit der notwendigen Aktualität dienen, bieten aber zum Beispiel Materialien mit „zeitlosen“ Informationen und Fragestellungen. (Link)

By Mstyslav Chernov – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43060182

Relativ zeitnah sind eine Reihe von Online-Veröffentlichungen der Deutschen Welle und des Goethe-Instituts. Aber auch hier sollte man darauf achten, ob sie eher allgemein über das Thema berichten oder aktuell.
Eine kleine fertige Unterrichtssequenz findet man unter den Materialen der Website „Meet the Germans“ (auf A2-und B1). Beginnend mit einem aktivierenden Einstieg gibt es Teile zum Sehen (Teil 1)Sehen (Teil 2) –zum Lesen – zur Produktion.
Dazu gibt es Lerntipps  und Handreichungen für Lehrer.
Auf der Seite findet man auch andere landeskundliche Themen, wie Lebensformen, Essen und Fußball und vieles mehr. Das Stöbern lohnt sich.
Aktueller zum Thema Migration ist das Material auf den Goethe-Seiten „Deutschlandlabor“:

Hier der Film:

Im Arbeitsblatt-Teil nach der Filmpräsentation finde ich die abschließende Aufgabe gut geeignet, wenn auch nach einer notwendigen Anpassung an die Lerner. So sollte man unbedingt zulassen, dass die Lerner auch fiktiv über mögliche Erfahrungen berichten können (werde/ würde).

Das Leben in einem anderen Land: „Wart ihr schon einmal für längere Zeit in einem anderen Land? Was war oder ist für euch wichtig, damit ihr euch in einem anderen Land wohl fühlt, und was ist nötig, damit Integration gelingt?
Tauscht euch in Partnerarbeit dazu aus und vervollständigt gemeinsam die folgenden Sätze.
• An meinem ersten Tag in einem fremden Land, würde ich …
• In der ersten Woche …
• Im ersten Monat …
• Nach einem Jahr …
• Nach 10 Jahren …

Die Deutsche-Welle beschäftigt sich konkret mit dem Unterrichtsthema „Flüchtlinge in Deutschland“.

„In den deutschen Medien wird viel über Flüchtlinge berichtet – ein Thema, das auch in Schulen eine Rolle spielt. Einige Materialien, die für Schüler konzipiert wurden, eignen sich auch für den DaF-Unterricht.“
Quelle: DW

Hier findet man weiterführende Links und ich denke, dass man hier in Zukunft noch mehr zu dem Thema finden wird.
Auch PASCH-net gibt es schon seit einigen Monaten eine Didaktisierung zum Thema „Wettrennen um Migranten“

Für eine projektorientierende Arbeit eignet sich das Portal „Mein Weg nach Deutschland“. Das Internetportal zum Übergangsmanagement ist unter folgender Internetadresse zu finden:

Aus den Filmen und den Informationsmaterialien lässt sich zum Beispiel durch die Lerner ein Webquest gestalten. Möglich wären auch selbsterstellte Informationsfilme, -Flyer oder Plakate für Neuankömmlinge. Interviews mit Flüchtigen (Kroatien befindet sich zum Beispiel auf der Balkanroute) bieten sich an, aber auch fiktive Interviews bzw. gespielte Situationen, die die Ankunft oder mögliche Missverständnisse simulieren.
Ein Beispiel ist der YouTube-Kanal: Deutschland für Anfänger
Trailer:


Wenn es um Migration und Verlust der alten Heimat bzw. Aufbruch in neue Welten geht, finde ich es sehr wichtig, die historische Perspektive nicht außer Acht zu lassen. Fast alle Länder haben Erfahrungen mit dem Thema gemacht. Deutschland war zum Beispiel schon immer ein Einwanderungsland und ein Auswanderungsland zugleich. „Für insgesamt fünf Millionen Auswanderer war zwischen 1850 und 1939 Hamburg das sprichwörtliche Tor zur Welt.“ (Quelle) Sehr schön wird dieser Umstand im Buch „Zwischen den Kulturen“ deutlich (S.24-28) gemacht.
Eine Sammlung von Unterrichtsideen aus muttersprachlicher Sicht bietet die Linksammlung zu Unterrichtsmaterialien zum Themenkomplex Migration, Flucht, Asyl des Bildungsserver.de:

Aber auch in den Linksammlungen im ZUM-Wiki wird man Anregungen für den Unterricht finden:
ZUM-Wiki:Flüchtlingskrise in Europa 2015
ZUM-Wiki:Flüchtlinge#Möglichkeiten der Bearbeitung

Zahlen zu Asyl in Deutschland findet man als Infografiken nach Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung:

 

Das ZUM-Willkommen-Wiki


In den letzten Wochen ist viel passiert. Die Welt scheint „sich schneller zu drehen“, jedenfalls nehme ich das so wahr.  Auf meinen Dienstreisen Ende Juli in Izmir und Ende August in Belgrad und natürlich auch hier in Kroatien konnte ich die Entwicklung beobachten, die später auch Deutschland verändern sollte.

Damit es nicht nur beim Beobachten bleibt, habe ich versucht, mich auch persönlich zu engagieren, so gut, wie das aus der Ferne geht, wozu sich natürlich digitale Medien anbieten, mit denen man „Raum und Zeit“ überbrücken kann.

Als Mitglied des ZUM e.V.  lag es nahe, mich am neuen Wiki-Portal für den Deutschunterricht mit Flüchtlingen und Asylsuchenden zu engagieren: zum-willkommen.de

Die Seite ist erst seit knapp einem Monat online und wurde (Hauptseite) bis heute bereits 10.658-mal abgerufen. Sie „wendet sich an ehrenamtliche (und andere) Deutschlehrende, die Flüchtlinge und Asylsuchende unterrichten oder diese beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen bzw. unterstützen möchten. Zugleich kann „Willkommen in Deutschland“ auch von denjenigen, die Deutsch lernen, genutzt werden, um eigenständig zu lernen, zu wiederholen und zu üben.

  • Hier sollen Materialien gesammelt werden, die kostenlos und als offene Bildungsinhalte (OER) genutzt werden können.
  • Hilfreiche Ideen, Tipps und anderes mehr können hier eingefügt werden.
  • Kommentierte, gut ausgesuchte Links verweisen auf weitere Websites.“ (Quelle)

Am Anfang des Projekts war es wichtig, eine passende Struktur zu erarbeiten, die es den Nutzern möglich macht, schnell Inhalte einzustellen bzw. zu finden. Zurzeit ist die Zahl der Beiträge, die von Nicht-ZUM-Mitgliedern stammt, noch gering. Auch das angestrebte Ziel, digitale OER-Inhalten zu erstellen, wurde noch nicht erreicht, aber die bereits vorhandene Linksammlung kann sich sehen lassen.

Inhaltlich orientiert sich das Portal an den wichtigsten Rahmenlehrplänen für Flüchtlinge. Die Grundstruktur bilden die Hauptthemen dieser Pläne, sogenannte Handlungsfelder:

Grundlage für die Struktur der Linksammlung ist das Prinzip der Aufgabenorientierung. Die Unterabschnitte auf den einzelnen Seiten richten sich nach den Zielbeschreibungen (Kann…, Kennt… usw.). Das vorherrschende Sprachniveau ist A1.

Ergänzt werden die Seiten zu den Handlungsfeldern durch eine „Grammatik-Kiste“ und durch eine Seite zum interkulturellen Lernen.

Mein Appell an euch: Wer Materialien hat oder kennt, kann diese gerne stellt in das Willkommen-Wiki einstellen. In einer zweiten Stufe kann daraus ein OER-Sprachkurs (auch zum Selbstlernen) werden. Ein anderer Wunsch: Macht das Wiki unter Lehrern und Lernern bekannt. Damit das noch besser gelingt, habe ich einen Abreißzettel in das Wiki gestellt:

Ausdrucken und anpinnen!

zum-willkommende _zum_mitnehmen

Street-Art im DaF-Unterricht


Banksy, London CC BY 2.0 File:Banksy Pressure Washing Away Art.jpg

Street-Art ist längst ein fester Bestandteil der zeitgenössischen Kunst. Als 2009 die Ausstellung Banksy vs. Bristol Museum stattfand, standen die Leute vier Stunden Schlange. „Banksy, der König der Guerilla-Graffiti“ lockte in zwei Monaten 300.000 Besucher aus aller Welt ins Museum. (Quelle: Spiegel-Online). In vielen Großstädten spielt Street-Art für den Tourismus eine wichtige Rolle. Auch werden Künstler und deren Produkte immer öfter vom Kunstmarkt oder für Zwecke der Werbung vereinnahmt, was der Definition als „nichtkommerzielle Form von Kunst im öffentlichen Raum“ widerspricht. In den sozialen Medien findet die Kunstform eine exponentielle Verbreitung im Internet. Auch im universitären Bereich wird sie beachtet, wie das Projekt der Uni Regensburg zur Erfassung, Lokalisierung und Kategorisierung von Street-Art Streetartfinder.de zeigt.

Street-Art und DaF

Street-Art ist seit einiger Zeit auch in Deutsch als Fremdsprache angekommen. Aktuell findet man im Band 90 Materialien Deutsch als Fremdsprache zum Thema „Visuelle Medien im DaF-Unterricht“ ( Hrsg. Marc Hieronimus) einen Artikel von Mirjam Bertocchi zum Thema „Graffiti und Street-Art im DaF-Unterricht“ (S. 153-172). Aber auch auf PASCH-net gibt es seit einiger Zeit einen Themenschwerpunkt zum Thema „Graffiti: mehr als nur Schmiererei“ (Sprachniveau: B1) mit Unterrichtsmaterialien für das A2/B1-Niveau.

Bertocchi stellt in ihrem Text im oben erwähnten Band 90 nicht nur mögliche Einsatzszenarien dieser Kunstform im DaF-Unterricht vor, sondern informiert ausführlich über die Geschichte und Bedeutung der Street-Art-Subkultur. Nach einer didaktischen Begründung, warum Street-Art im Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden sollte, findet man konkrete Unterrichtsvorschläge mit interessanten Zusatzinformation zu  Street-Art Künstlern und deren Kunstwerken.

Graffiti a Ordes. CC BY-SA 2.0 File:Desordes – 2012 – Blu – 5 (8168526679).jpg Hochgeladen von Coentor

Vorteile

Die Vorteile des Einsatzes von Street-Art im Fremdsprachenunterricht sieht die Autorin unter anderem darin, dass diese Kunst dabei helfen könnte, sprachliche und ästhetische Kompetenzen zu erwerben. Die Kunstwerke eigneten sich für alle Niveaustufen, da die erworbene Sprachkompetenz eine untergeordnete Rolle spielen würde. Die Schüler könnten offen auf die Kunstwerke reagieren, da keine sprachliche Verständnisbarrieren existierten. Da die Bilder provokativ und manchmal ironisch seien, würde dies motivierend auf die Lernenden wirken.
Die Deutungsoffenheit der Kunstwerke sieht sie als weiteren Vorteil. Dadurch entstünden mehrere Interpretationsmöglichkeiten, die die Interpretationsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und deren kreatives Denken fördere.
Die kommunikative Funktion der Kunst bestehe darin, dass die Bilder als Diskussionsanlass dienen könnten und die Schüler dazu bringen, ihre eigene Meinung zu äußern, wodurch authentische Sprachhandlungen ermöglicht. Weiterhin werden im Text die Erweiterung der Medienkompetenz und die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit aktuellen landeskundlichen Themen hervorgehoben. Zur Einführung in das Thema empfiehlt sie folgendes Video, das die  Merkmale der Street-Art erklärt:

Weitere Ideen

Für mich liegt die Stärke des Themas insbesondere in der Möglichkeit fächerübergreifende Projekte durchzuführen. Kunstunterricht, Ethik, Sozialkunde, aber auch Geografie dürften sich dafür anbieten. Natürlich kann (bzw. sollte) dabei Projektarbeit grenzüberschreitend erfolgen, um das interkulturelle Potential zu nutzen. Auch wenn die Kunstform besonders für  Großstädter interessant scheint, ist es möglich durch die Präsenz im Internet, alle Schüler und Studenten daran zu beteiligen.

Was könnten Produkte für solche Projekte sein?

1. Recherche-Projekte: SuS dokumentieren und beschreiben Street-Art in ihrer Umgebung. Sie erklären ihren Mitschülern in anderen Ländern evtl. den politischen Kontext, SuS erstellen eine gemeinsame Hitparade der urbanen Kunstwerke und begründen ihre Wahl

Die Präsentation sollte im Internet erfolgen, um unabhängig von Zeit und Ort zu arbeiten. Denkbar wäre auch ein Produkt für Touristen in deutscher Sprache zu erstellen. Auch eine QR-Stadt-Rallye zu diesem Thema wäre denkbar.

2. Produktion eigener Werke mit Beschreibungen und Geschichten; eigene Botschaften zu einem gemeinsamen Thema erstellen oder aufgrund  in Form eines bekannten Kunstwerkes eine eigene Arbeit anfertigen und dokumentieren, Austausch siehe oben.

3. Da die Kunstform im urbanen Bereich nicht ganz unumstritten ist, kann ein Produkt diese Diskussion in unterschiedlichen Ländern zum Thema haben. SuS könnten Argumente sammeln, vergleichen und in sozialer Medien präsentieren. Eine Facebook-Gruppe könnte zum Beispiel zu einer internationalen Diskussion anregen, eine Bildergalerie der beteiligten Städte zeigen und zur Planung eines gemeinsamen Produkts dienen.

4. Natürlich eignet sich das Thema ganz klassisch als Anlass für das kreative Schreiben zu einzelnen Bildern oder Bilderreihen.

5. Alle oben genannten Ideen können in einer Ausstellung bzw. Online-Ausstellung präsentiert werden, die wiederum zum interkulturellen Austausch anregen könnten oder mit selbst erstellten Aktivitäten wie Quiz oder Ausstellungsrallye verbunden werden könnten.

Beispiele aus der Praxis:

A -Ein Beispiel für ein fächerübergreifendes Projekt (ohne DaF) „Die Kunst der Straße – Street-Art in der Dresdner Neustadt“: http://wikis.zum.de/zum/Streetart

B -Das Beispiel in Blog-Form „Jugend in Berlin“ (entstanden während eines Lehrerseminars) zeigt , wie man das Thema auch im landeskundlichen (DaF) Kontext darstellen und mit anderen Kunstformen verbinden kann: http://blog.goethe.de/jugendinberlin/

C – Auch einen Hinweis auf einen Webquest „Graffiti in Berlin“ im DaF-Unterricht habe ich gefunden. Leider ist das Quest nicht mehr online erreichbar.

Vorschläge für geeignete Street-Art Arbeiten

Im Text von Mirjam Bertocchi finden sich auch Vorschläge, welche Street-Art Arbeiten sich für den Unterricht eignen könnten. Die empfohlenen Künstler und Arbeiten sind El Bocho, JR, Alias und Blu.
Im folgenden Abschnitt habe ich dazu eine kleine Linksammlung angelegt. Weitere Informationen zu den folgenden Künstlern und Projekten kann man im oben erwähnten Text im Band 90 nachlesen.

El Bocho
http://www.elbocho.net Beispiel: http://www.elbocho.net/page/6/
https://www.youtube.com/watch?v=xjCcysHXJwo
– Auf Facebook: https://www.facebook.com/elbochoberlin
Film der DW zum Berliner Street-Art-Künstler El Bocho

Projekt „Face 2 Face“ (JR)
FACE 2 FACE TRAILER project:

– Projektseite: http://www.jr-art.net/projects/face-2-face

– Hier ein kurzer Überblick über die Arbeiten von JR (Deutsche Welle):

Hausfassaden und Straßen in Städten aller Welt dienen dem französischen Straßenkünstler JR seit 13 Jahren als Leinwand. Er verwendet archivierte und selbst fotografierte Bilder von unauffälligen und vergessenen Menschen, vergrößert die Fotos und tapeziert sie in die Stadtlandschaft. Eines seiner Fotoprojekte wird noch bis Ende Mai in der Berliner Galerie Springmann ausgestellt.

Kreuzberg and the street and the walls and the street art… CC BY-SA 2.0 File:X.berg Street Art.jpg Hochgeladen von Rotatebot Erstellt: 2. Juli 2008

„Kinder in der Stadt“ (Alias)

https://www.facebook.com/4L1A5

– Street Art by Alias in Berlin (Beispiele und kurze Beschreibung)

Arte urbano obra de Blu, avenida del Manzanares, Madrid, España CC BY-SA 2.0 File:BLU 092010 7 (4975181720).jpg Uploaded by StrakhovMurals (Blu)

(Für mich der Künstler, der mich mit seinen aussagekräftigen Arbeiten am meisten anspricht.)

–  Blu auf Wikipedia
https://www.facebook.com/www.BLUBLU.org
Seine offizielle Seite http://www.blublu.org und hier ein Beispiel von vielen: http://www.blublu.org/sito/walls/2013/big/011.jpg
Weitere Beispiele unter CC BY-SA 3.0 Lizenz: Wikimedia

Ein Video bei dem man den Künstler bei der Arbeit zusehen kann. BLU in Berlin – November 2008:

 

 

„EVOLUTION OF MEN by BLUE“ ist eine sehr schöne Arbeit des Künstlers, die mir persönlich ausgezeichnet gefällt und die sich natürlich auch sehr gut für den Unterricht eignet:

Es gibt natürliche noch weitere für den Unterricht interessante Künstler. Ich finde zum Beispiel, dass die Idee „Street-Art im Miniaturformat“ viel Potential für ein Projekt in DaF hat, bei dem man mit einfachen Mitteln kleine Szenen im Stadtkontext darstellen, fotografieren und beschreiben (mündlich oder schriftlich) kann. (Permalink der DW http://dw.de/p/1ExfL und als MP4-Datei abspeichern)

Weitere Empfehlungen:

1. Zur Schreibweise des Begriffs: http://www.duden.de/rechtschreibung/Street_Art „Von Duden empfohlene Schreibung: Street-Art und alternative Schreibung: Streetart

2. Folgender Film eignet sich als Einstimmung in das Thema:

 

3. Street Art Berlin von artelocal.eu mit vielen Beispielen und Kurzinformationen zu Künstlern

4. Themen zu street+art auf den Seiten der Deutschen Welle

5. Unterrichtsreihe zum Thema „Mauerfall“: 10 Graffiti auf der Mauer (DW) mit Lehrerkommentar und das  Video-Thema Sprühen als Kunst mit Aufgaben und Vokabeln.

6. Graffiti von unbekannten Künstlern an der Berliner Mauer

7. Didaktisierungsvorschlag zum Thema Graffiti auf PASCH-net: Stationenlernen – Sprachniveau: A2/B1 (pdf; 200 KB)

8. Street-Art Beispiele: http://www.fotocommunity.de/motive/streetart/799

9. Linkliste zu Urban Art: http://static.twoday.net/kunstvermittlung/files/Linkliste-Urban-Art.pdf mit einem ausführlichen Materialteil

10. Text aus transkultureller Sicht, lesenswert: „Was liest du aus dem Bild? – Transkulturelles Bilderlesen im DaF-Unterricht“ von Vasili Bachtsevanidis in Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

11. Linksammlung auf Padlet: STREET ART im DaF-Unterricht – Einstieg in die Künste (Juan Carlos Diazcerio Samaniego)

12.  Der oben erwähnte Band 90 zum kostenlosen Download: Visuelle Medien im DaF-Unterricht, Hieronimus, Marc (Hrsg.), Materialien Deutsch als Fremdsprache; 90 Erschienen: 2014


Podcast zum Thema „Wikis und Lernen“


Das ZUM-Wiki und Wikipedia als Thema eines Podcasts auf den Seiten von #pb21.

Wikis und Lernen – die Anfänge sind schon zehn Jahre alt. Aber wie sieht es heute aus? Mandy Schütze und Nando Stöcklin sprechen mit Jöran Muuß-Merholz über die Entwicklungen und Besonderheiten vom Lernen mit Wikis.

http://www.pb21.de/wp-content/podcast/pb040.mp3

Für mich sehr wichtig das Fazit am Ende des Beitrags: Ein Nebeneffekt des Lernens mit Wikis ist der Erwerb von Informationskompetenz.

Siehe auch hier im Blog: Über DaF-Wikis

 

Warum ZUM?


Was ist das eigentlich – ZUM?

Eine kurze Erklärung bietet folgender Film von Lutz Berger (http://www.lutzland.de)

Den vorgebrachten Begründungen, warum man in der ZUM ist, kann ich  aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Die „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V.“ (ZUM Internet e. V., ZUM, ZUM.de) gibt es seit 1997 unter der Adresse www.zum.de. Im DaF-Bereich gibt es seit längerer Zeit eine Reihe von erfolgreichen Projekten:

Die DaF-Seiten im ZUM-Wiki

Das DSD-Wiki (seit dem 23. April 2008 in der ZUM-Family)

Das Wiki Deutsch-Online und das sich im Aufbau befindende DaF-Wiki.

Da stellt sich nur noch die eine Frage: Warum bist du noch nicht in der ZUM? 😉

Weitere Links der ZUM:

in anderen Netzwerken

Wer wissen möchte, wie groß bereits die Wiki-Family ist, wird hier mehr darüber erfahren: Wikis auf ZUM.de